Romanisches Café

Die Luft war stickig vom Zigarrenrauch, die Wände grau, weil ich schon seit Jahren nicht mehr gestrichen. An einem der kleinen runden Marmortische saß Frank Wedekind, schlürfte an einem Kaffee, und war in die Lektüre der "Weltbühne" vertieft. Liebermann und Slevogt diskutierten nebenan miteinander, und Tucholsky saß über ein eigenes noch unfertiges Manuskript gebeugt.

 
Vor dem Fenster ratterte die gelbe Berliner Straßenbahn über den Tauentzien, Pferdekutschen holperten über das Pflaster, und die wenigen Autos bahnten sich einen Weg durch das Gewimmel der Menschen.

Zwei Jahrzehnte lang war das "Romanische Café" der Treffpunkt von Bürgertum und Boheme. Journalisten, Maler, Theaterleute und Literaten trafen sich hier, und so manches epochemachende Werk wurde hier aus der Taufe gehoben. Von 1916 bis 136 stand auf der Gästeliste auch solch bekannte Naben wie die von Else Lasker-Schüler, Berthold Brecht, Alfred Kerr und Luigi Pirandello.

Das Café war eine Welt für sich. In dem größeren der beiden Räume, dem "Basin für Nichtschwimmer", kehrte die Laufkundschaft ein, während sich im kleineren Raum, den "Basin für Schwimmer", das Stammpublikum traf. Von hier führt eine geschwungene Treppe nach oben zur Galerie, wo sich die Schachspieler ihr eigenes Refugium erobert hatten. Der rote Richard, der Zeitungskellner, verteilte seine Blätter an die zahlende Gäste. Und der Portier Nietz stand an der Tür und achtete darauf, dass niemand das Lokal verließ ohne zu zahlen.
Cafe 1

In "Die Rote Burg" treffen sich Martin Forster und Magda Goldstein hier zum ersten Mal zu einem Gespräch nach der Premiere des Films "Geheimnisse der Seele". Sofort funkt es zwischen den beiden. Dazu trägt auch die Atmosphäre des Cafés bei. 

Martin Forster wird noch einmal hierher zurückkehren, um in Ruhe in  dem Libretto von "Der Ring des Nibelungen" zu lesen. 

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