Die Fürstenenteignung

1918 endete der erste Weltkrieg und mit ihm das deutsche Kaiserreich. Die Monarchie in Deutschland wurde abgeschafft. Besitztümer ehemals regierender Fürsten wurden vorübergehend beschlagnahmt, und anstelle des Kaiserreichs trat die Weimarer Republik, eine demokratisches Herrschaftsform. Diese garantierte in ihrer Verfassung Privateigentum. Die deutschen Fürstenhäuser nahmen diese Garantie in den frühen Zwanziger Jahren zum Anlass, Entschädigungen für die Zeit Ende des Kriegs zu fordern, als sie nicht über ihre Besitztümer hatten verfügen können. Ihnen waren in dieser Zeit Einnahmen entgangen. 1925 wurden Gerichtsurteile bekannt, die diese Abfindungen unterstützen. Die Bevölkerung war empört. Es herrschte Armut und Arbeitslosigkeit, die soziale Not war groß.

Die KPD und die SPD politisierten die Empörung der Bevölkerung und brachten im Januar 1926 einen Antrag im Reichstag ein, der die bedingungslose und vollständige Enteignung der Fürsten forderte. Sie setzten ein Volksbegehren (4. bis 17. März) und dann im zweiten Schritt den Volksentscheid (20. Juni) durch. Besonders Letzterer wurde breit propagandiert. Käthe Kollwitz, Kurt Tucholsky oder Heinrich Zille waren prominente Unterstützer der Enteignung.

Dennoch scheiterte der Entscheid, es kamen nicht genug Ja-Stimmen zusammen. Im Folgenden einigten sich die Länderregierungen mit den jeweiligen Fürstenhäusern auf Ausgleiche und Kompromisse bezüglich der ursprünglich geforderten Fürstenentschädigung.

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